Klaus-Peter Jörns

Initiativen

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Initiativen von und mit Klaus-Peter Jörns

 
1. Meine erste und für längere Zeit wichtigste Initiative ist der „Arbeitskreis Curate e.V.“, geworden, gegründet am 24.10.1968 in Köln. Gründungsmitglieder waren Heinrich Böll, Klaus Emmerich (Abteilungsleiter Wirtschaft im WDR) Hermann Kalinna, Hanna-Renate Laurien, Franz Lemmens (Bürgermeister von Köln), Helen Ziskoven und ich; später kamen Carl-Friedrich von Weizsäcker, Wolfgang Schrage, Erwin K. Scheuch, Walter Schug, Ingo Hermann und andere hinzu. Den Verein habe ich von der Gründung an geleitet. Er wurde 1982 aufgelöst, da er sein Ziel, sich überflüssig zu machen, erreicht hatte. Erstes Teilziel der Aktion „Ihr sollt leben“ war es, die Eiweißüberschüsse, die wir in Europa produzieren, in Hunger- und Katastrophengebiete zu leiten und dort gegen Eiweißmangelkrankheiten einzusetzen. Mithilfe der Bundesregierung, von Milchproduzenten und Hilfswerken haben wir den Plan realisiert. Es wurden unterschiedliche Produkte hergestellt und transferiert. 1975 haben wir mit dem Diakonischen Werk der EKD eine Vereinbarung getroffen, durch die das DW diese Tätigkeit übernommen hat. In vielen Reisen (zumeist in meinen Urlaubszeiten während meiner Tätigkeit als Gemeindepfarrer 1968-1978) bin ich in Lagern und Krankenhäusern in Afrika, Arabien und Indien tätig gewesen, um die Produkte einzuführen und weiterzuentwickeln. Geliefert worden sind in dieser Zeit ca. 650 Tonnen ganz spezifischer Eiweißprodukte, die keine negativen Nebenwirkungen erzeugten, weil sie zB keinen Milchzucker enthielten. Die Aktion „Ihr sollt leben“ war mehrere Jahre lang verbunden mit einer Aktion in den Schulen einiger Bundesländer, durch die kleinere Spendenbeiträge gesammelt werden konnten. Die meisten Mittel hat Curate e.V. aus Landes- und Kirchenmitteln sowie durch persönliche Spenden bekommen.
 
2. Zweites Teilziel von Curate e.V. war es mitzuhelfen, die psychiatrische Versorgung in der Bundesrepublik gemeindenaher zu gestalten und alte Vorurteile abzubauen. So trud Curate e.V. mit bei zur Gründung der „Aktion Psychisch Kranke“. Vereinigung zur Reform der Versorgung psychisch Kranker eV, Bonn, gegründet am 18.1.1971. Neben Vertretern der Bundestagsfraktionen und der Psychiatrie in der BRD wurde ich Mitglied des Gründungsvorstands. Der Verein hat dann für mehrere Jahre als Hauptaufgabe den Auftrag der Bundesregierung gehabt, eine Enquete zur Lage der Psychiatrie in der BRD zu erstellen. Durch diese Enquete ist die Entwicklung angestoßen worden, die Versorgung psychisch Kranker näher an das Konzept der gemeindenahen Psychiatrie heranzubringen und wegzukommen von den großen Landeskrankenhäusern, in denen die Menschen - weitab von ihren Lebensbeziehungen - leben mußten.
 
3. Vertraut geworden mit den Problemen psychischer Erkrankungen, habe ich besser mit Erfahrungen umgehen gelernt, die ich aus der Arbeit als Gemeindepfarrer kannte, denen ich aber aufgrund der theologischen Ausbildung eher hilflos gegenüberstand. Das galt vor allem für das Problem der Suizidalität. Aus diesem Grund habe ich dann mit Psychiatern und Psychotherapeuten zusammen 1972 die "Deutsche Gesellschaft für Selbstmordverhütung" (DGS) gegründet und war zwei Jahre lang stellv. Vorsitzender. Parallel dazu habe ich an der Fachhochschule Rheinland-Pfalz in Koblenz mehrere Jahre lang einen Lehrauftrag für Suizidforschung innegehabt und in Koblenz (TECUM) und später in Düsseldorf (Die Alternative) Vereine gegründet, um Menschen zu helfen, die nach einem Suizidversuch und einer klinischen Behandlung den Weg zurück in ihren Alltag gehen mußten. In meiner akademischen Arbeit als Praktischer Theologe habe ich diese Erfahrungen immer als besonders wichtigen Kontakt zur Wirklichkeit einbringen können.
 
4. Auf einem ganz anderen Gebiet habe ich 1993, zusammen mit meiner Frau, Dr. med. Wiltrud Kernstock-Jörns, und unterstützt von einem theologischen (Prof. Dr. Hans Grewel) und einem ärztlichen Kollegen (Prof. Dr. Linus Geisler), die "Berliner Initiative für die Zustimmungslösung im Blick auf ein Transplantationsgesetz“ gegründet. Sie sollte verhindern, daß Organentnahme in Deutschland so geschieht, wie es in totalitären Staaten geregelt wurde: durch Sozialisierung der Organe. Weder eine Widerspruchslösung noch eine sogenannte Informationslösung sollten gelten können. Organentnahmen sollten nur möglich sein, wenn der betreffende Mensch zu Lebzeiten einer Organentnahme zugestimmt hat. Mehr als 170 (vorwiegend) evangelische und katholische Theologen an deutschen Fakultäten und über 100 Ärzte haben dieser Initiative zugestimmt. Sie hat dazu geholfen, daß der Bundestag später dann eine Zustimmungslösung als Transplantationsgesetz beschlossen hat, wenn auch die Zustimmung von Angehörigen (entgegen unseren Vorstellungen) als Entscheidung anerkannt worden ist.
 
5. 2012 habe ich in Berg/Starnberg zusammen mit dem katholischen Religionspädagogen Prof. Dr. Hubertus Halbfas, dem em. Pfarrer Dr. Gerhart Herold und anderen die "Gesellschaft für eine Glaubensreform e. V." (www.glaubensreform.de) gegründet und bin seitdem der 1. Vorsitzende. Ihr Ziel war und ist es, Menschen dazu zu helfen, ihre eigene Gestalt des Glaubens zu finden und zu praktizieren, unabhängig von den vorgegebenen Normen der Religionen und Konfessionen. Besonders wichtig ist für die GfGR, dass die historische Kritik unserer biblischen und kirchlichen Überlieferungen in einer theologischen Kritik an ihnen fortgesetzt wird, so dass jede/r denken und leben kann, was er/sie glaubt. Die Homepage der Gesellschaft ist ihre Selbstdarstellung, ihr Terminkalender und versucht mehr und mehr, auch zu einer Ideenbörse und Praxishilfe für Pfarrerinnen und Pfarrer / Priester im Amt zu werden.